Professur für Controlling, Prof. Dr. Birgit Friedl

Arbeitsgebiet: Controlling in Unternehmensnetzwerken

Eine jüngere Entwicklung auf dem Gebiet des Controlling ist das Netzwerkcontrolling. Ein Unternehmungsnetzwerk ist eine Kooperationsform, d.h. eine spezifische Form der Zusammenarbeit selbständiger Unternehmungen. Es wird als eine Form der Organisation ökonomischer Aktivitäten verstanden, die zwischen dem Markt und der Hierarchie, d.h. der Unternehmung, positioniert ist und damit marktliche und hierarchische Elemente vereint. Unter dem Controlling in Unternehmungsnetzwerken wird die Unterstützung des Netzwerkmanagements verstanden, d.h. der zielorientierten Gestaltung und Steuerung unternehmungsübergreifender Aktivitäten. Je nachdem, welche Controllingkonzeption zugrunde gelegt wird, bildet die Informationsversorgung des Netzwerkmanagements, seine Befähigung zur unternehmungsübergreifenden Koordination von Ausführungsaktivitäten oder die Sicherstellung seiner Rationalität den Gegenstand dieser Unterstützungsfunktion.

Wird von der in Kiel entwickelten entscheidungsorientierten Controllingkonzeption ausgegangen, ist die unternehmungsübergreifende Koordination von Entscheidungen über Vorgaben für die Trägerinnen und Träger von Ausführungsaktivitäten im Unternehmungsnetzwerk der Gegenstand dieser Unterstützungsfunktion. Es sind bereits mehrere Beiträge zur Koordination in Unternehmungsnetzwerken erschienen. In diesen Beiträgen wird nicht auf die Interdependenzen zwischen verschiedenen Netzwerkunternehmungen eingegangen, die einen unternehmungsübergreifenden Koordinationsbedarf begründen, der über den bei rein marktlichen Lieferbeziehungen hinausgeht, d.h. bei wechselnden Lieferbeziehungen auf der Basis kurzfristiger Aufträge. Vor diesem Hintergrund verlangt die Entwicklung eines Controlling für Unternehmungsnetzwerke auf der Basis der entscheidungsorientierten Konzeption zunächst die Auseinandersetzung mit den folgenden Fragen:

(1) Gibt es einen Bedarf an unternehmungsübergreifender Koordination von Entscheidungen, der über den bei rein marktlichen Beziehungen hinausgeht?

(2) Die Koordination von Entscheidungen über wirtschaftliche Aktivitäten vollzieht sich auf dem Markt über Preise, in Hierarchien dagegen durch Anweisungen gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Kann der Bedarf an unternehmungsübergreifender Koordination von Entscheidungen in Unternehmungsnetzwerken durch Konzepte auf der Grundlage rein marktlicher bzw. rein hierarchischer Koordinationsprinzipien gedeckt werden?

(3) Welche anderen Konzepte eignen sich zur unternehmungsübergreifenden Entscheidungskoordination?

Die Analyse der unternehmungsübergreifenden Interdependenzen und der Koordinationsprinzipien hat ergeben, dass die Herausforderungen eines Netzwerkcontrolling weniger in der Entwicklung neuer Koordinationskonzepte liegen, da die bekannten Konzepte allenfalls anzupassen sind. Das Netzwerkcontrolling hat sich vielmehr mit den Problemen des zwischenbetrieblichen Informationsaustausches zu beschäftigen, der den Einsatz dieser Konzepte erst ermöglicht.